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Mythos, Gier und barocke Fleischlichkeit: Maximilian Siegenbruk präsentiert „BLACK SWAN“ in Frankfurt
Frankfurt am Main – Die Galerie Monica Ruppert freut sich, die neue Einzelausstellung „BLACK SWAN“ des Künstlers Maximilian Siegenbruk anzukündigen. Die Eröffnung findet am Freitag, den 27. März 2026, um 19:00 Uhr statt.
In seiner neuesten Werkserie greift Siegenbruk das ökonomische Konzept des sogenannten „Black Swan Events“ auf – jenes kaum vorhersehbare Ereignis an den Finanzmärkten, das vermeintliche Gewissheiten kollabieren lässt. Das Werk-Ensemble markiert eine deutliche Weiterentwicklung in seinem Schaffen. Als Nachfolger seines vorherigen Ausstellungszyklus Idylle Dekonstruktion vollzieht sich hier ein inhaltlicher und formaler Bruch: Die florale, symbiotische Natur früherer Arbeiten weicht einer klaustrophobischen, dicht verwobenen Bildwelt. Gleichzeitig bleibt die Serie Teil des größeren Werkkomplexes Idylle Dekonstruktion.
Im Zentrum der Ausstellung steht ein monumentales Gemälde in Pastellkreide auf Leinwand (7,20 × 2,00 Meter).
Ein Panoptikum des Überlebenskampfes
Um die Dynamik und Unberechenbarkeit der Finanzmärkte bildlich zu fassen, erschafft Siegenbruk ein Panoptikum aus menschlichen Massen und mythologischen Hybriden, die in einem kaum entwirrbaren Knäuel aufeinandertreffen. Die Figuren fungieren als psychologische und ökonomische Metaphern für das Geschehen an der Börse:
— Der Bär – traditionell Symbol der Baisse – erscheint als hypermaskuline, brutale Kraft, die alles Weiche, Weibliche und Zukunftsweisende zerstört. Er erlegt einen Hybrid aus Kuh und Frau – ein drastisches Sinnbild für den Bärenmarkt und drastisch fallende Kurse.
— Harpien und eine chimärenhafte Pfauen-Frau verkörpern Gier und eitle Verblendung, die dem Fall vorausgehen, und locken als trügerische Sirenen Investoren ins Verderben.
— Der Satyr steht für den entfesselten Hedonismus wirtschaftlicher Hochphasen. Das Schwein – hier als Hybridwesen – zitiert die Maßlosigkeit jener Akteure, die am Ende zur Schlachtbank geführt werden – eine Anspielung auf die Börsenweisheit „Pigs get slaughtered“.
— Das kompositorische Zentrum bildet der Schwanenhund, eine vom Künstler entwickelte Hybridfigur und Verkörperung des Schwarzen Schwans. Mit der Eleganz eines Schwans ausgestattet, verbirgt er den sprungbereiten Körper eines Hundes. Seine perfekte Erscheinung täuscht Sicherheit vor – bis er unvermittelt aus dem toten Winkel angreift.
Von der Zeichnung zur Skulptur
Die Wahl von Pastellkreide für das Hauptwerk ist eine bewusste, performative Entscheidung. Der Staub der Kreide ermöglichte es dem Künstler, Figuren während des Arbeitsprozesses immer wieder zu verwischen, zu deformieren und neu zu verweben – ein bildliches Echo der permanenten Volatilität der Märkte. Erst mit der Fixierung erstarrte diese fluide Metamorphose im endgültigen Zustand.
Zugleich markiert die Ausstellung einen entscheidenden Schritt in Siegenbruks Arbeit: Der Schwanenhund existiert nicht nur auf der Leinwand. Als Skulptur tritt er aus der Bildwelt heraus in den realen Raum des Galerieraums. Dieser Übergang vom Bild zur plastischen Form eröffnet eine neue Arbeitsrichtung, in der Elemente aus dem malerischen Chaos isoliert und in dreidimensionale Formen übersetzt werden.
Dabei bleibt der Prozess Teil des übergeordneten Werkkomplexes Idylle Dekonstruktion: Einzelne Motive und Leinwände werden in neuen Techniken wiederholt und weitergeführt, wodurch sie sich schrittweise in abstraktere Formen transformieren – ohne ihre Verbindung zum ursprünglichen Werkgefüge zu verlieren.